Landesliga-Rückblick 1999 - 2003
02.06.2003
Vor vier Jahren schaffte die Handballabteilung des Jülicher TV nach einer langen Zeit der in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen Zugehörigkeit in der Kreisliga den Aufstieg in die überregionale Landesliga. Dank des zielstrebigen und unermüdlichen Engagements der Vereinsführung, allen voran von Manager Herbert Maßmann, hatte die Abteilung nach mehreren vergeblichen Versuchen 1999 endlich den Sprung gepackt.
In den folgenden drei Spielzeiten wurde in Jülich wieder an die erfolgreichen und attraktiven Zeiten des Handballsports in den sechziger und siebziger Jahren angeknüpft. Der JTV maß sich mit spielstarken, namhaften Mannschaften aus den Kreisen Aachen, Köln, Heinsberg und Euskirchen und etablierte sich mit zwei vierten und einem fünften Tabellenplatz in der Liga.
Aufgrund dieser Erfolge wuchs auch wieder das Öffentliche Interesse. Zwar war der Zuschauerzuspruch bei den Spielen nicht so groß, wie sich das die Verantwortlichen erhofft hatten, doch der JTV war wieder in aller Munde. Die Bürger der Herzogstadt waren stets informiert und erwiesen sich als interessierte Kenner der Szene. Die Abteilung erfreute sich eines Aufschwungs, der sich auch im Nachwuchsbereich und in der ehrenamtlichen Unterstützung widerspiegelte. Insbesondere in den jüngsten Jahrgängen gehen zur Zeit so viele Kinder dem Handballsport in Jülich nach, wie selten zuvor. Auch konnte der Jülicher TV einige Erwachsene hinzu gewinnen, die sich im Trainerstab des Jugendbereiches oder für das allgemeine Wohl der Abteilung engagieren.
Nach der Spielzeit 2001/2002 stand der Verein vor der wohl schwersten Aufgabe der jüngsten Vergangenheit. Der ohnehin schon unterbesetzte Spielerkader der Landesligamannschaft wurde nach der Saison durch Abgänge und Spieler, die ihre sportliche Laufbahn beendeten, weiter ausgedünnt. Auch der damalige Trainer Erwin Klumpp gab seinen Posten aufgrund beruflicher Prioritäten ab. Da man sich der Verantwortung, die das Aushängeschild Erste Mannschaft für die Handballabteilung darstellt, bewußt war, mobilisierte man alle Kräfte, um erneut eine spielstarke Mannschaft mit Perspektiven für die nächsten Jahre stellen zu können.
Mit Olaf Quade vom damaligen Landesligaabsteiger SR Aachen konnte Manager Herbert Maßmann einen neuen Verantwortlichen für den Spielbetrieb im Seniorenbereich gewinnen. In diesem Zuge realisierte der neue Coach den Wechsel von vier seiner ehemaligen Spieler an die Rur. Weitere vier neue Spieler aus anderen Vereinen kamen hinzu, und der Kader war nun so groß wie nie zuvor. Die Quantität stimmte jetzt beim JTV, und man ging erwartungsvoll in das vierte Landesligajahr.
Doch bereits in der Vorbereitungszeit und in den ersten Spielen der neuen Saison zeigte sich, daß die Qualität zu wünschen übrig ließ. Sicherlich hatte jeder einzelne Spieler seine individuellen Qualitäten, doch litt das Mannschaftsspiel. Anders als erwartet, fand sich der Jülicher TV von Beginn an im Tabellenkeller wieder und die Perspektive, daß sich der Erfolg noch einstellen würde, wurde von Spieltag zu Spieltag und von Niederlage zu Niederlage geringer. Die Vereinsverantwortlichen machten den Grund für diese Misere in der nicht passenden Chemie innerhalb der Mannschaft aus. Zu keiner Zeit verschmolzen die Spieler weder auf dem Spielfeld noch außerhalb davon zu einer Einheit, die ein gemeinsames Ziel verfolgt. Die Tatsache, daß sich viele von den fremden Spielern nicht mit dem Verein identifizierten und entsprechend den nötigen Einsatz vermissen ließen, war ein weiterer Grund für den ausbleibenden Erfolg.
Der Vorstand reagierte früh auf diese Umstände und suspendierte bereits am siebten Spieltag einen Spieler. Mit dieser unpopulären, aber notwendigen Handlung wollte man auch ein Zeichen setzen. Für kurze Zeit hatte man die Hoffnung, als würde die Mannschaft nun enger zusammenrücken, doch mit dem Fall auf den vorletzten Tabellenrang am elften Spieltag und der peinlichen Niederlage in Birkesdorf war das Maß voll. Der Verein trennte sich zum Jahreswechsel notgedrungen von seinem Trainer, der zuvor diesen Schritt bei weiterhin ausbleibender Erfolglosigkeit bereits angekündigt hatte.
Mit dem Ex-Coach Erwin Klumpp, der sich trotz seiner beruflichen Eingeschränktheit kurzfristig zur Verfügung stellte, hatte man eine Lösung der Trainerfrage gefunden. Für den seit diesem Zeitpunkt nicht mehr erscheinenden Torwart Dirk Jansen wurde der Ur-Jülicher Thomas Rieck reaktiviert.
Unter der neuen Führung stellte sich zunächst der gewünschte Erfolg ein. Unter anderem konnte man den späteren Meister Hürth-Gleuel in eigener Halle deutlich schlagen und der JTV kletterte um vier Plätze auf Rang neun. Das zwischenzeitlich bereits nach unten korrigierte Saisonziel Klassenerhalt schien nun nicht mehr unmöglich.
Doch auch Trainer Klumpp waren mit dem vorgegebenen Spielermaterial die Hände gebunden. Insbesondere die mangelnde Trainingsbeteiligung machte er seiner Mannschaft zum Vorwurf und war ausschlaggebender Grund dafür, daß mehrfach die Chancen vergeben wurden, die nötigen Punkte gegen den Abstieg einzufahren.
Am Ende dieser vierten Landesligasaison und nach drei erfolgreichen Jahren steht also der bittere Gang in die Kreisliga an. Um den in der jüngsten Zeit erfahrenen Aufschwung nicht langfristig zu gefährden und nicht in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen, muß von der Vereinsseite alles mögliche getan werden, um wieder der Landesliga anzugehören.
Allerdings wird dieses Vorhaben nur sehr schwer zu erreichen sein. Einige Spieler der alten Mannschaft haben dem Verein bereits den Rücken gekehrt, hinter anderen steht noch ein Fragezeichen. Um jedoch auch in der Kreisliga eine schlagkräftige Truppe beieinander zu haben, ist der Jülicher TV auf fremde Spieler angewiesen. Auf eigenen Nachwuchs kann die Abteilung leider nicht hoffen, da die A- und B-Jugendmannschaften in den letzten Jahren nicht besetzt waren. Fremde Kräfte aber zum handballsportlich gesehenen Eiland Jülich zu locken, mit der Perspektive, nur Kreisliga zu spielen, scheint fast unmöglich. Allein in und um Aachen saugen ca. ein Dutzend Vereine von der Landesliga bis zur Regionalliga die Spieler auf.
In den nächsten Tagen wird sich der Vorstand des JTV zusammensetzen, um die sportliche Zukunft des Vereins zu gestalten.
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